Nicht nur in Landwirtschaft und Umweltpolitik ist Nachhaltigkeit ein nicht mehr wegzudenkender Faktor. Auch in der Finanzwelt legen immer mehr Anleger Wert darauf, dass ihre Investitionen die heutigen Bedürfnisse befriedigen, ohne die Ressourcen der kommenden Generationen zu gefährden. 

Beim prinzipiengeleiteten Investment, auch bekannt als ethisches, grünes, ökologisches oder nachhaltiges Investment, werden neben den klassischen quantitativen Anlagekriterien – Rendite, Risiko und Liquidität – verstärkt qualitative Merkmale berücksichtigt. 

Konkret gewinnen die sogenannten ESG-Kriterien – für Umwelt (Environment), soziale Aspekte (Social) und Unternehmensführung (Governance) – zunehmend an Bedeutung. Die Einhaltung sozialer Standards, z.B. Arbeitsschutz und faire Löhne, sowie ökologische Bemühungen, etwa solche um erneuerbare Energien und Umweltschutz, haben seit geraumer Zeit einen Einfluss darauf, wie attraktiv ein Unternehmen für potentielle Anleger ist.

Crowd-Investing: gemeinsam große Ziele erreichen

In Aktien zu investieren ist längst nicht mehr nur den Wohlhabenden vorbehalten. Crowd-Investing beispielsweise, “Schwarm-Finanzierung”, ist eine Methode, um die Demokratisierung der Aktienwelt weiter voranzutreiben, ermöglicht es doch auch Personen mit geringerem Einkommen zu entscheiden, wen und was sie finanziell unterstützen möchten. 

Fällt die Entscheidung zugunsten eines ethischen Investments aus, spricht man von nachhaltigem Crowd-Investing. Dabei unterstützen viele Anleger mit kleinen Beträgen nachhaltige Projekte und werden anschließend am Erfolg beteiligt. 

Das eigene Kapital nicht nur ertragreich, sondern auch möglichst ökologisch und sozial verantwortungsbewusst anzulegen, vermittelt das gute Gefühl, einen direkten Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt zu leisten und aktiv an der Gestaltung der gemeinsamen Zukunft teilzuhaben. 

Geschichte und Erfolge nachhaltiger Investitionen

Der Ansatz, seine Überzeugungen finanziell auszudrücken, hat inzwischen eine lange Tradition. Die Anfänge des nachhaltigen Investments reichen bis ins viktorianische Zeitalter zurück. Bereits vor der industriellen Revolution legten sittenstrenge Quäker in Nordamerika und England Wert darauf, Investitionen in Sklaverei und Waffenherstellung zu vermeiden. Auch “sin stocks”, Aktien an Unternehmen aus der Alkohol-, Tabak- und Glücksspielindustrie, waren aus religiösen Gründen verpönt. Der 1928 gegründete Pioneer Fund gilt rückblickend als der erste ethische Fonds und schloss Unternehmen, die Tabak, Alkohol oder Waffen produzierten, kategorisch aus. 


Einen neuen Anstoß dafür, seine Anlagephilosophie hinsichtlich “social responsible investment” auszurichten, lieferte der Vietnamkrieg in den 1960er Jahren. Zahlreiche US-Investoren wendeten sich von Unternehmen ab, die ihre Gewinne aus dem Krieg zogen. Ein berühmtes Beispiel ist das Chemieunternehmen Dow Chemicals, das die Napalmbomben für den Einsatz in Vietnam produzierte. Der umfassende Boykott der Aktionäre sorgte dafür, dass der Konzern rasch sein öffentliches Ansehen verlor und der Aktienkurs fiel. Als ethische Konsequenz wurde 1971 der World Pax Fund aufgelegt, der ausschließlich in Unternehmen investierte, die nicht in der Rüstungsindustrie tätig waren.

Die Tendenz, gegen etwas zu sein und daher nicht in negativ konnotierte Konzerne zu investieren, setzte sich weiter fort. Im Laufe der Zeit wurden die “sin stocks” um zusätzliche Negativkriterien ergänzt, darunter die Diskriminierung von Frauen und Minderheiten, Tierversuche, Kinderarbeit, unverantwortliches Marketing und Kernkraft.

Ein Umdenken erfolgte erst 1982: Beim New Alternative Fund, der ausnahmslos in Unternehmen aus dem Bereich der umweltfreundlichen Energiegewinnung investierte und als weltweit erster ökologischer Fonds gilt, wurden erstmals Positiv- statt Negativkriterien berücksichtigt.

Gutes Gewissen, bessere Rendite

Heute ist grünes Investment stark auf dem Vormarsch. Die Gründe dafür sind einerseits stärker wahrgenommene Umweltkatastrophen und das zunehmende Bewusstsein für globale Umweltprobleme, andererseits ausgesprochen gute Renditeaussichten. Denn laut einer Harvard-Studie zeigten sich Investitionen in nachhaltige Unternehmen langfristig renditestärker und erzielten gegenüber der Grundgesamtheit eine Outperformance von mehr als 4 % pro Jahr. Zusätzlich zu den höheren Erträgen hat die Nachhaltigkeit aber noch weitere Vorteile. Denn die ESG-Kriterien bei der Investmentauswahl einzukalkulieren, vermag Risiken für den Aktienkurs, die sich aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung ergeben könnten, wirksam einzudämmen.

Grüne Investments: Spitzenwerte in Österreich

Sein Geld ethisch-ökologisch anzulegen hat sich in Österreich zum Trend entwickelt: Nachhaltige Investments und Mandate, bei denen Anleger ihre eigenen Vorstellungen einbringen können, machten 2018 bemerkenswerte 12,8 % des gesamten österreichischen Fondsmarkts aus. Der Großteil der Privatanleger erwartet von den Finanzberatern bereits nachhaltige Investmentfonds im Angebotsportfolio.

Und diese sind bemüht, die Ansprüche zu erfüllen. Denn neben den österreichischen Vorsorgekassen, Versicherungen und Kirchen übernehmen Privatpersonen inzwischen schon ein Fünftel der nachhaltigen Investments.

Demgegenüber stehen die Ausschlusskriterien. Als österreichische Top 10 der No-Gos gelten Unternehmen die mit Kohle, Waffen und Rüstung, Kernenergie, Menschenrechts- oder Arbeitsrechtverletzung, Gentechnik, Glücksspiel, Pronografie, Tabak, Korruption und Bestechung in Verbindung gebracht werden.

International gibt es aber Abweichungen: Die hierzulande auf Platz 3 angesiedelte Kernenergie wird von vielen anderen Staaten als nachhaltig angesehen.

Keine Geldanlage ist frei von Risiken. Die hier angeführten Inhalte stellen keine Empfehlung im Sinne einer Finanzanlagen-Vermittlung dar.