Alles über die geltenden Richtlinien für Bio-Lebensmittel

Die biologische Landwirtschaft hat in Österreich eine lange Tradition. Nicht nur wurden die ersten Bio-Betriebe bereits 1927 in Kärnten gegründet, Österreich war auch das erste Land weltweit, das strenge Richtlinien für die biologische Landwirtschaft festlegte. 

Dass Österreich seine Spitzenposition als führende Bio-Nation halten konnte, ist der Verdienst engagierter Bio-LandwirtInnen, kritischer KonsumentInnen und einer ökologisch orientierten Agrarpolitik. So ist die Alpenrepublik auch im Vergleich mit den anderen 27 EU-Staaten absoluter Spitzenreiter: Bereits 2017 wurden 23,4 % der insgesamt in Österreichs genutzten Fläche biologisch bewirtschaftet, während der EU-Durchschnitt bei nur 7,0 % lag.

Doch was bedeutet Bio konkret?

Bio: ein Schlagwort, viele Auslegungen

Grundsätzlich bedeutet biologische Herstellung, dass keine künstlichen Elemente in die Wertschöpfungskette einfließen. Die Rohstoffe und die daraus hergestellten Produkte sollen möglichst naturbelassen bleiben.  

Seit Gründung der ersten österreichischen Bio-Verbände im Jahr 1959 folgten zahlreiche Gesetze und Richtlinien zur biologischen Landwirtschaft. Der heutige rechtliche Rahmen umfasst internationale WTO-Agrar-Abkommen, die europäischen Cross Compliance-Regelungen sowie österreichische Gesetze zum Schutz von Tieren, Böden und Pflanzen.

Da “Bio” aber auch ein starkes Verkaufsargument ist, gibt es auf dem Markt inzwischen die unterschiedlichsten auf grün getrimmten Logos und Siegel, die vermeintliche Bio-Qualität vorgaukeln sollen. Laut österreichischem Lebensministerium existieren allein im Bio-Bereich über 90 verschiedene Gütezeichen. Nicht alle halten jedoch, was sie versprechen. 

Kleinster gemeinsamer Nenner: das EU-Bio-Siegel

Österreich ist seit 1995 Mitglied der Europäischen Union und muss sich bei Produktion, Verarbeitung, Kontrolle und Import von Bio-Produkten an die EU-Bio-Verordnung halten.

Kurzgefasst beinhaltet die Verordnung folgende Vorgaben:

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel
  • einzuhaltende Mindestgrößen bei Ställen und Freiflächen
  • ausschließliche Fütterung mit biologischen Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungssteigerern
  • Verbot von Gentechnik
  • eingeschränkte Anzahl zugelassener Zusatzstoffe (keine Süßstoffe, Stabilisatoren, synthetischen Farbstoffe, Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker; bei Emulgatoren sowie pflanzlichen Backtriebs- und Verdickungsmitteln sind nur die auf einer Positivliste genannten erlaubt)
  • keine ionisierende Strahlung zur Konservierung
  • abwechslungsreiche Gestaltung der Fruchtfolgen (Zwei-, Drei- und Vierfelderwirtschaft)
Das EU-Bio-Logo kennzeichnet die in der EU biologisch erzeugten Produkte

Ein verarbeitetes Lebensmittel darf nur dann “öko” oder “bio” genannt werden, wenn die Zutaten die Anforderungen zu mindestens 95 % erfüllen. Erklärtes Ziel des EU-Bio-Siegels ist es, die biologische Landwirtschaft über die klar definierten Regeln weiter zu fördern.

Um Produkte mit dem grünen EU-Bio-Siegel auszeichnen zu dürfen, müssen sich Hersteller bei einer zugelassenen Öko-Kontrollstelle anmelden. Sowohl Erzeuger wie auch Händler müssen nachweisen, dass sie biologisch wirtschaften und in der Lage sind, Vermischungen von Bio-Ware mit konventionellen Rohstoffen zu vermeiden. Auch die Rückverfolgbarkeit muss gewährleistet sein. Jährliche Kontrollen, teils unangemeldet, sollen die Einhaltung der Regelungen sicherstellen. 

Österreichische Vorschriften sind oft strenger

Da bei der Erstellung der EU-Bio-Verordnung auch europaweite Anbauinteressen berücksichtigt wurden, kritisieren mehrere Seiten die aktuellen Richtlinien als nicht streng genug. 

Einer der wichtigsten Kritikpunkte betrifft das Tierwohl:

Denn die EU-Bio-Richtlinien enthalten keine Regelungen dazu, wie weit die Schlachthöfe von den Betrieben entfernt sein dürfen. So kann ein Tier, dessen Fleisch später das EU-Bio-Siegel trägt, durch halb Europa transportiert worden sein. 

Bio heißt eben nicht automatisch auch regional. 

Mehr Sicherheit hinsichtlich regionaler Herkunft – die in Folge heimische Bauern unterstützt und die CO2-Belastung reduziert – gibt das rote AMA-Bio-Siegel der Republik Österreich.

Das AMA-Bio-Siegel bestätigt regionale Herkunft in Österreich.

Was die artgerechte Tierhaltung betrifft, so gibt es in Österreich Verbände, die sich an strengere Richtlinien halten als auf EU-Ebene und national vorgegeben. 

Einem Vergleich mit den drei größten deutschen Bio-Verbänden (Bioland, Demeter und Naturland) kann das EU-Bio-Siegel ebenfalls nicht standhalten: In der Europäischen Union sind pro Hektar beinahe doppelt so viele Legehennen und Masthühner erlaubt. 

Dennoch gewährleistet das europäische Kennzeichen für biologisch hergestellte Produkte deutlich bessere Standards als die konventionelle Landwirtschaft und bietet Umwelt, Mensch und Tier einen Mehrwert.

Bio-Kennzeichnung bislang noch Kostenfrage

Während viele selbst gestaltete Siegel im Handel die Bio-Qualität nur suggerieren, gibt es auch den umgekehrten Fall: biologische Landwirtschaft, die nicht als solche ausgewiesen wird. Die Gründe dafür sind der hohe bürokratische Aufwand sowie die Kosten für die Zertifizierung, die vor allem Klein-ProduzentInnen in vielen Fällen nicht stemmen können. 

Diesbezüglich soll die neue, ab 2020 gültige EU-Bio-Verordnung Veränderungen bringen: Ein Ziel ist der Abbau von bürokratischen Hürden, ein anderes die Möglichkeit der Gruppenzertifizierung, sodass anstelle einzelner Betriebe gleich ganze zusammengeschlossene Gruppen zertifiziert werden. Zusätzlich sollen in Zukunft auch unverpackte Lebensmittel mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet werden können.

Dabei handelt es sich um Schritte in die richtige Richtung, die viele kleine und mittelgroße ProduzentInnen sicher begrüßen werden, wie markta, Österreichs erster Online-Bauernmarkt anmerkt. Das Unternehmen arbeitet eng mit regionalen ProduzentInnen von Lebensmitteln zusammen und kennt die aktuelle Problematik der Bio-Kennzeichnungen. markta hat erkannt, dass der Besitz eines Gütesiegels nicht alleiniges Unterscheidungsmerkmal sein kann. Bei markta werden die PartnerInnen und ihre Produktionsbedingungen eigenhändig überprüft und erst dann entscheidet sich, welche Produkte in das markta-Sortiment aufgenommen werden. So befinden sich in markta’s Produktionsnetzwerk auch einige ProduzentInnen, die zwar nach strengen BIO-Richtlinien arbeiten, sich aber eine entsprechende Zertifizierung aktuell nicht leisten können. Das wird sich mit der Gesetzesnovelle 2020 zwar verbessern, auf eigene Kontrollen der Betriebe möchte markta jedoch auch in Zukunft nicht verzichten.