Sommerzeit im Heurigen – das ganze Jahr

markta

Bei den Pletzers im Weinviertel bekommt man nicht nur Rot- und Weißweine zum Mitnehmen und Bestellen, sondern seit Anfang Juli 2018 auch eine ordentliche Jause im eigenen Heurigen – natürlich regional.

Nur wenige Meter hinter der Ortsende-Tafel von Haugsdorf, am Ende der steilen Kellergasse mit ihren romantischen Weinkeller-Häuschen, biegt ein steiniger Feldweg nach links ab. Sie führt ruckelig und staubig an diesem heißen Juni-Tag hinauf auf den Hutberg, hinein in die Weinreben und eröffnet den Blick auf das Weinviertel. Dort befinden sich auch die Wein-Reben der Pletzers unter der Sonne der Rotweininsel Haugsdorf.

Wein und Brot im Weinviertel
„Durch die Kessellage ist es hier fast immer ein wenig wärmer, das Klima hier ist fast pannonisch“, meint Barbara Pletzer. Sie und ihr Mann Christoph Pletzer bewirtschaften in Haugsdorf Wein an unterschiedlichen Standorten. Im sonst für Weißweine bekannten Niederösterreich hat sich hier eine wahre Rotweininsel gebildet. Nur wenige Kilometer weiter ist man schon in einer geschmacklich völlig anderen Weingegend: Die Weinortschaft Retz liegt nur 15 Kilometer von Haugsdorf entfernt und die Weine sind nicht annähernd vergleichbar. Fährt man durchs Weinviertel, reihen sich Feld an Feld und dahinter Weinberg an Weinberg. „Das ist typisch für das Weinviertel, da hat man beides“, meint Barbara. Das Landschaftsbild ist geprägt von Acker- und Weinbau. Die klimatischen Gegebenheiten der Region mit viel Sonne und wenig Regen sowie die Topographie mit den sanften Hügeln und großzügigen Flächen machen diese Kombination möglich.


Barbara Pletzer beschriftet die Weinfässer in ihrem Weinkeller – Arbeiten im Winter und im Herbst.

Wein und Jause im eigenen Heurigen
Insgesamt bauen die Pletzers auf 14 Hektar Wein an. Davon machen mit je 4,5 ha der Blaue Portugieser und der Zweigelt den größten Anteil aus. Daneben keltern sie Blauburger, Cabernet Sauvignon, Merlot und Rathay. Bei den Weißweinsorten sind es der für Niederösterreich typische Grüne Veltliner, sowie Gelber Muskateller, Rivaner und ab 2018 erstmals auch Sauvignon Blanc. Nächstes Jahr sollen, wenn es nach Barbara Pletzer geht, noch ein paar Stöcke Weißburgunder dazukommen und Christoph nickt zustimmend. Das gilt schon als versprochen. Barbara Pletzer sitzt inzwischen an einem reich gedeckten Holztisch in der Raummitte ihres neu gebauten Heurigen, während sie vom Betrieb und ihren Weinen erzählt. Im Hintergrund werkelt Christoph mit den Handwerkern noch an Licht und Vorhängen. Der Heurige ist Pletzers erster Schritt in ein größeres Angebot für BesucherInnen der Region. So wollen sie die Ab-Hof-Abholung durch fixe Öffnungszeiten vereinfachen und ihren Gästen neben ihren eigenen Weinen auch regionale Schmankerl anbieten. Am Tisch finden sich selbstgemachte Antipasti, Wurst- und Käse aus der Region, frisch gebackenes Bauernbrot und von allem nicht zu wenig.


Jedes Jahr anders
Wein ist ausgesprochen wetterempfindlich und die Sorten schmecken jedes Jahr ein wenig anders. Die Zuckergradation und der Reifegrad der Trauben bestimmen, wie süß oder trocken ein Wein ist. Aber auch die Gärung redet mit: Je mehr Fruchtzucker bei der Gärung zu Alkohol umgewandelt wird, umso trockener wird der Wein. Bei Pletzers gelangt nur in die Flaschen, was sie selbst auch gern trinken würden. Nachdem sie als Önologen und Landwirte mit dem Wetter arbeiten, kann es schon mal zu einer schlechten Ernte kommen. Doch die Pletzer-Weine haben ihren guten Ruf zu wahren, daher wird nur zu Wein gemacht, was auch die höchsten Anforderungen erfüllt. „Wenn die Trauben mal nicht so berauschend sind, verkaufen wir Teile der Ernte an Großproduzenten weiter, die daraus günstigeren Wein produzieren“, erzählt Barbara. Von ihrem Lieblingswein muss aber immer genügend da sein: Der trockene Weißwein-Cuvée war ursprünglich der Hochzeitswein der Beiden und wurde anlässlich des schönen Sommertages ihrer Hochzeit im Jahr 2013 in „Sommerzeit“ umbenannt.


Christoph und Barbara Pletzer bei ihren Reben am Hutberg in Haugsdorf – mit Blick übers Weinviertel.

Jeder Tag anders
Christoph Pletzer übernahm 2001 den Familienbetrieb und führt ihn seither im Vollerwerb – seine Eltern betrieben den Hof lange Zeit im Nebenerwerb. Erst mit der geplanten Betriebsübernahme durch Christoph wurden Flächen dazu gekauft und der Hof auf den Vollerwerb vorbereitet. Neben 14 Hektar Wein haben sie heute auch 100 Hektar Ackerflvche, auf der sie Sommergerste, Weizen, Sonnenblumen, Soja, Senf und „Gugaruz“ (Mais) anbauen. Da fragt man sich, wie man das zu zweit schafft. „Wir haben schon auch Hilfe von Verwandten und auch von Saisonkräften“, meint Barbara, während sie ihre Antipasti kostet. „Vielleicht eine Spur zu mild?“, fragt sie. Unseren Geschmack treffen die in Öl eingelegten Zucchini, Paprika und Champignons. Während sie eher von zu Hause aus arbeitet, dort kocht, einlegt und ihre Weine vermarktet, ist ihr Mann am Feld und in den Weinbergen und hat Hilfe von einer Saisonkraft. Und dann sind da noch Christophs Eltern, die bei den täglichen Arbeiten und im Weinkeller helfen oder auch mal ihre kleine Tochter vom Kindergarten abholen.


Der Tourismus wächst
Wer auf einer Landwirtschaft aufgewachsen ist, ist es gewohnt, zeitig aufzustehen. „Am Vormittag ist der Christoph draußen, egal ob im Keller, am Acker oder im Weingarten. Ich bin daheim, mit organisatorischen Arbeiten und in den letzten Jahren auch viel mit Baustellenmanagement beschäftigt“, erzählt Barbara, während Christoph im Heurigen an der 6 Meter hohen Decke und mit einer stabilen Leiter die Lichter installiert. Mit dem Heurigen haben sich die beiden den Wunsch nach mehr Leben in Haugsdorf erfüllt. „Es tut sich hier noch nicht viel“, erzählt Barbara. „Man spürt, dass hier der Eiserne Vorhang war.“ Langsam etabliert sich auch hier der sanfte Tourismus. „Wenn man aber nichts bietet, kommt auch keiner“, sagt Barbara. Nächtigungen und Zimmer sind der nächste Ausbauschritt. Die regionsverbundenen Pletzers arbeiten mit anderen Betrieben der Region zusammen und bewerben Haugsdorf und ihren Heurigen über die Region Weinviertel, über die Weinviertler Weinstraße und das Pulkautal.



Wien und die Städter
Die wichtige Zielgruppe der Städter erschließen die Pletzers gerade über Messen und auch digital über markta.at. „Man merkt stark, wie die Nachfrage nach Hintergrundinfos zum Essen steigt“, meint Barbara. „Und es spricht sich herum, wenn man regionale Produkte anbietet.“ Die Pletzers arbeiten mit ProduzentInnen aus der Gegend zusammen und es gibt immer etwas Ausgefallenes in ihrer Karte. Das Brot bringt der Bäcker aus der Gegend, das Fleisch stammt vom Fleischhacker in der Nähe, die Aufstriche und die Mehlspeisen macht Barbara selbst. Und das will auch erzählt werden: „Woher sonst sollen die Leute wissen, dass es hier nicht das billige G’selchte oder den Liptauer aus dem Großhandel gibt, sondern ein einzigartiges Produkt aus der Region! Ich weiß was drinnen ist, wo welches Qualitätssiegel drauf ist und was ich selbst gemacht hab. Und das will ich meinen Gästen auch gern erzählen.“



Nahversorger in der Gegend
In Haugsdorf und der Umgebung sind die urigen Nahversorger großteils ausgestorben. Hier kauft man oft noch direkt bei den Bauern ein, oder verlasst sich auf ein paar kleine Supermärkte. Eine Tankstelle ist auf die Idee gekommen, regionale Weine anzubieten und das funktioniert für die regionalen Winzer sehr gut. „Hier hat ja ab Samstagnachmittag kein Geschäft mehr offen und wegen zwei Flaschen Wein fährt man nicht zum Winzer“, meint Barbara. Pletzer-Weine gibt es außerdem noch beim kleinen Franchise-Supermarkt im Ort und in einer weiteren Vinothek in der Nähe. Ansonsten und außerhalb der Region findet man Pletzer-Weine nicht oft. Aber jene, die einmal gekostet haben, kommen auch ein zweites Mal. „Viele Gäste kommen irgendwo einmal in Berührung mit uns, vielleicht auf einer Messe oder bei markta vor Ort, und kommen später noch einmal vorbei und nehmen manchmal gleich einen Kofferraum voll Wein mit. Das freut uns dann immer sehr, weil sich die Leute einfach an uns erinnern“, erzählt Barbara. Den Pletzer-Wein gibt es direkt im Heurigen oder Ab Hof (gleich nebenan) zu kaufen, oder eben ab 29€ versandkostenfrei über markta.at.


Barbara, Christoph und Rosa Pletzer vor ihrem Weinkeller in der Kellergasse in Haugsdorf.

Tun was man kann (und will)
Landwirtschaft und Weinbau sind viel Arbeit. „Aber ja“, sagt Barbara, „arbeiten muss man überall. Und wir sind eh nicht die Typen, die jeden Tag lange schlafen und das ganze Wochenende chillen.“ Was sie an ihrer Arbeit besonders schätzen? Barbara: „Ich liebe, dass ich mit vielen Leuten zusammenkomme, dass wir jeden Tag gemeinsam Mittag essen können und dass ich zu Hause bei meinem Kind sein kann. Ich muss niemanden fragen, wenn ich Pflegeurlaub nehmen will, ich kann grundsätzlich tun was ich will. Und wenn ich unter der Woche mal ins Schwimmbad fahren möchte, weil das Wetter grade passt, dann geht das. Dafür müssen wir mal einen Sonntag reinarbeiten.“ Und Christoph? Der ist am liebsten am Feld. „Da findet man seine Ruhe“, sagt der Landwirt.

♡ Ab zum Marktstandl von Weinbau Pletzer!

Text: Lena Zottmann

Photos: Anna Zora


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