Mit Rosensirup löffelweise zum Glück – Rosentradition am Lukashof in Stainz

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„Die Rosen und Kräuter sind für dieses Jahr schon geerntet“, sagt Dagmar Högler. Hinter ihr, auf einem Schaukelstuhl vor dem Wohnhaus, sitzt Oma Högler und entblättert wie zum Beweis die purpurnen Rosenblüten. Am anderen Ende des Hofs wird Rosenwasser ausgeschenkt und dahinter stehen Einmachgläser voll Rosenblätter eingelegt in Sirup, Ölen oder Essigen. Am Lukashof steht alles im Zeichen der Rose. Und des biologischen Anbaus. 

Von der Stadt ins Rosenblütenland

1980 hat es Dagmar von Wien nach Stainz verschlagen. Ihr Bezug zur Region war schon von klein auf da, denn die Großmutter hatte dort ein Sommerhaus. „Zum Leben ist das die schönste Region in Österreich“, sagt sie. „Man hat es nicht weit ans Meer, man kann im Winter in der Nähe Skifahren und man ist 20 Autominuten in Graz.“ Auch ihr Sohn Michael Högler bestätigt das. Er hat schon viele Orte auf der Welt besucht, doch was ihm an seiner Region besonders gefällt, ist das Nachbarschaftsverhältnis. „Die Leute achten auf sich gegenseitig“, meint er. Und: „Es gibt keinen Supermarkt in der direkten Umgebung, was dazu führt, dass man seinen Einkauf etwas besser plant.“

Der Hof ist bereits seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz der Höglers. Seit 1987 bewirtschaften Dagmar und ihr Mann Alois den Hof biologisch. „Der Hof war schon immer einer der fortschrittlicheren, was neue Maschinen, Technologien und die Bewirtschaftungsweise betraf“, erzählt Dagmar Högler nicht ohne Stolz. Bereits ihr Großvater bewirtschaftete den Hof nach den Prinzipien von Rudolph Steiner (Demeter) und sie selbst hat den Bezug zur Natur von klein auf mitbekommen.


Hauptaugenmerk Rose

Dass die Höglers Rosen anbauen sollten, entstand zufällig beim Einkaufen am Markt, als sie vom Projekt „Steier-Rose“ erfuhr. Dagmar hatte zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrung mit dem Rosenanbau, mochte Rosen aber sehr und ist kurz darauf nach Sangerhausen in Deutschland ins Rosarium gefahren. Danach wurde ausgewählt nach Geruch und Geschmack und welche Rosen sich besonders gut für Sirup eignen. „Dass auch die Farbe der Rosen sehr wichtig ist, haben wir davor gar nicht bedacht, aber aus hellrosa Rosen bekommt man eben keinen dunklen Sirup“, erzählt Dagmar von den ersten Versuchen. Schon bald wurden am Lukashof die ersten Rosen gesetzt und inzwischen sind Rosen der wichtigste Bestandteil des Sortiments am Lukashof. Dass das schon immer so war, ist der nächste Rosenzufall in der Hofgeschichte: Eines Tages musste am Haus etwas renoviert werden und im Zuge dieser Arbeiten legten sie ein altes Rosen-Fresko frei. Der Fund veranlasste sie eine Chronik anzufertigen – und nun wissen sie, dass der erste Högler auf diesem Hof bereits 1760 bis 1770 gelebt hatte und aus „Rosendorf“ stammte, weshalb er dieses Fresko am Lukashof hatte anfertigen lassen. Das Fresko ziert heute, abstrahiert, die Etiketten der Lukashof Bio-Produkte.




Natürlich gewachsen & handgepflückt

Mittlerweile bauen sie auf dem Hof zahlreiche verschiedene Arten und noch mehr Unterarten an Rosen an. Damaszener Rosen eignen sich für Tinkturen und Tees, während Duftrosen aufgrund ihres Dufts, Geschmacks und ihrer Farbe für die Verarbeitung von Sirupen und Gelees geeignet sind. Der Rosenacker umfasst 1.500 Pflanzen, die Rosen sind breit auseinandergesetzt und dazwischen wächst hohes Gras für Nützlinge. „Je natürlicher etwas wachsen kann, desto besser“, erklärt die Rosen-Expertin. „Der Pflanze fehlt sonst die Energie.“ Pflanzen am Lukashof wachsen natürlich, Rosen werden hauptsächlich gemulcht, wodurch die Rosen genug Stickstoff erhalten. Neben den Rosenerzeugnissen werden am Lukashof zwischen 100 und 120 verschiedene Produkte hergestellt. Alles, was gekocht wird, wird von Hand gepflückt und in kleinen Chargen auf einem Tischherd mit Holzfeuer gekocht. Die Öle stehen mindestens 10 Tage in der Sonne, manches braucht Monate. „Der Tannen- und Fichten-Wipfel-Mix steht schon seit Ende April“, meint Dagmar. Direkt beim Eingang des Hofladens steht die Distille, mit der erfrischende, trinkbare Pflanzenwasser, sogenannte Hydrolate, hergestellt werden.




Produkte für den Alltag

„Wir haben unsere KundInnen und deren Bedürfnisse lange Zeit beobachtet“, meint Dagmar. „Dass der Trend wieder mehr zu handgemachten Produkten und Bio-Qualität geht, freut uns natürlich. Handgemachte Sachen sind einfach interessanter und feiner und kommen entsprechend besser an.“ Die Basilikumblätter für das Pesto werden bei den Höglers von Hand gepflückt und diesen Unterschied schmecke man im Vergleich zu industriellen Großproduktionen. „Bei uns werden nur Blätter und kein Stängelwerk verwendet“, erklärt Michael Högler, der am Hof den Vertrieb und den Online-Auftritt betreut.

Dagmar Högler macht eine Ausbildung zur Traditionell Europäischen Heilmedizinerin (TEH), in deren Lehren Nahrung und Naturheilmittel als wichtigste Aspekte für die Gesundheit gesehen werden. „Was du in dich hinein gibst, macht dich aus!“, meint sie. „Viele Menschen heutzutage sind krank und das ist oft auf eine falsche oder ungesunde Ernährung zurückzuführen.“ Das Bewusstsein für besseres Essen entstehe aber gerade. Beim Essen gehe es nicht nur um den guten Geschmack, meint sie, sondern: „Man will sich bei Essen und beim Genießen sicher sein, dass die Produkte nicht weit herkommen und dass nur das Beste darin verarbeitet ist.“ Ihnen war schon von Anfang an wichtig, dass Bio auch gut schmeckt und dass man es auch gerne ist. Sie selbst kaufen einmal pro Woche beim Bauern Brot, Milch und Gemüse im Hofladen. Die restlichen Sachen werden von regionalen Bio-Händlern gekauft. „Beim Essen spar ich nimmer“ sagt Dagmar. 




Neues Bewusstsein

„Man kann die Leute nicht umerziehen, man kann nur mit ihnen reden“, meint Dagmar. Und das reiche meist schon, um neue KundInnen zu gewinnen. Die beiden erzählen von einem spürbaren Einfluss in ihrer Umgebung: Ihre Nachbarn kaufen mehr und mehr Bio-Produkte und bauen auch mehr im eigenen Garten an. „Sobald sie die selbst produzierten oder auch handgemachten Produkte vom Lukashof mal probiert haben, sind die Leute schnell von der hohen Qualität überzeugt“, sagt Michael. Auf dem Lukashof bieten die Höglers deswegen auch Führungen an, für Kindergärten oder Betriebsausflüge aber auch für private Gruppen. Seit zwei Jahren gibt es am Lukashof auch das Rosencafé. Dort können die Gäste Kuchen, Kaffee und Rosensirup probieren und die Produkte verkosten, die es im Hofladen zu kaufen gibt.

 

♡ Ab zum Marktstandl von Lukashof Genussmanufaktur!

Text: Lena Zottmann

Photos: Anna Zora


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