Gutes aus Obritz: Regionales im Glas

markta

Sie füllen die Sonne ins Glas. Hanna Ofner und Walter Tanzer haben sich 2016 im Weinviertel niedergelassen und produzieren dort Fruchtaufstriche, Saucen, Ketchup, Senf und Suppenwurz.

Alles begann mit der Suppenwürze. Als Hanna Ofner und Walter Tanzer vor wenigen Jahren nach Obritz im Weinviertel zogen, hatten sie in ihrer Wiener Wohnung schon erste Erfahrungen mit dem Produzieren von Lebensmitteln und Delikatessen gemacht. Das erste Produkt war die Suppenwürze, ursprünglich mit Salz im Einmachglas haltbar gemacht, nach einem Rezept von Hannas Mutter. Später experimentierte sie mit getrocknetem Gemüse und befand das Ergebnis für gelungen. „Das getrocknete Gemüse und die Kräuter behalten die ätherischen Öle und so bleibt die Suppenwurz länger geschmacksintensiv“, sagt sie. Gemüse und Kräuter werden dafür bei 60 bis 65°C zwischen 10 und 15 Stunden schonend getrocknet. Seither weiteten die beiden Wahlobritzer ihr Angebot immer weiter aus bis sie inzwischen in vier Artikelgruppen zahlreiche Produkte anbieten. Neben der ursprünglichen Suppenwürze finden sich da nun verschiedene Senfsorten, Ketchup, Saucen sowie Sirupe und Marmeladen.



Regionales zusammenführen
Obritz befindet sich im nördlichen Weinviertel ganz nahe der Grenze zu Tschechien. Im Sommer wird es hier so heiß, dass Feigen, Chilis und Wein gedeihen. „Wir dachten eigentlich, dass es hier immer Sommer kühler ist als in der Großstadt“, erzählt Walter Tanzer. Die beiden lebten jahrelang in Wien, arbeiteten und studierten dort und begannen irgendwann mit dem Produzieren von eingemachten Delikatessen. Die sommerliche Hitze in Obritz inspirierte sie zu ihrem Slogan: Schmecken Sie die Sonne. „Obritz ist so eine schöne Gegend und es ist so schön, den Sommer hier in der Natur zu verbringen – genau das wollen wir in unsere Glasln packen“, meint Walter. Ursprünglich wollten die beiden die Region vermarkten und gar nicht selbst produzieren. Obritz böte so viele schmackhafte Produkte und innovative ProduzentInnen, da wollten sie ein Netzwerk schaffen. „Uns hat dann aber das Produzieren so viel Spaß gemacht, dass wir doch mehr selbst produzieren und nur drei Handelsprodukte haben im Moment“, meint Hanna Ofner. „Gutes aus Obritz“sind derzeit hauptsächlich Produkte von Ofner und Tanzer, daneben verkaufen sie aber auch Weinviertler Kürbiskernöl und sizilianisches Olivenöl von bekannten Produzenten.



Wirtschaftliche Aussteiger
2016 hatten beide keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf die Stadt, keine Lust mehr auf ihre Berufe, keine Lust auf das rein wirtschaftliche Denken ohne den Bezug zum großen Ganzen. So kamen die ersten Versuche der Delikatessen im Glas und ihre erste Saison am Weihnachtsmarkt. „Mit 300 Glasln stellten wir uns an den Weihnachtsmarkt in Hadres nahe Obritz und waren am ersten Wochenende ausverkauft“, erzählt Tanzer. Mit dem Erfolgserlebnis kamen bald die ersten Ideen und wenig später schon die Planung für das eigene Geschäftsmodell. In einem Urlaub in Indonesien besuchten sie Kochkurse und lernten das Grundrezept für ihre Chilisauce, studierten das Lebensmittelrecht („so eine zache Literatur muss man wo lesen, wo es schön ist“) und erstellten ihren Businessplan. Das Rezept für die Chilisauce wurde für österreichische Geschmacksknospen entsprechend adaptiert. „Die Krabbenpaste und der Fischsud wurden ersetzt. Das ist wie mit dem Urlaubswein, der am Strand köstlich schmeckt und daheim, wenn man eine Flasche mitnimmt, ist er nicht zum Saufen“, witzelt Walter Tanzer. 2017 ging im März dann das Geschäft los. „Nachdem ich schon länger selbständig bin, hab ich mir gedacht, machen wir das einfach“, sagt er.



Sammelleidenschaft der Zuagroasten
Seither sammeln sie Holunderblüten für ihre Sirupe, verarbeiten die Feigen aus ihrem eigenen Garten und beziehen veganen Wein vom Nachbarn in Obritz für ihren veganen Weinsenf. Sehr viele ihrer Produkte sind bio-zertifiziert und auf keinen Fall mischen sie Geschmacksverstärker oder Konservierungsmittel in ihre Produkte. Am besten verkaufen sich der Feigensenf, der Marillensenf und der Weingartenknoblauch-Basilikum-Senf. In derzeit 20 Vertriebsstellen dürfen sie verkaufen, darunter sind kleine bis mittelgroße Feinkostläden, Vinotheken, Spezialitätenläden, Bio-Läden in Hollabrunn, Traismauer bis nach Wien. Die Kärntnerin und den Steirer zieht es schon immer wieder zurück in die Stadt. „Deswegen haben wir auch noch eine Wohnung in Wien“, meint er. Und sie bestätigt: „Einmal in der Woche einen Kaffee in der Stadt zu trinken, ist schon gut.“



Netzwerk für die Suppenwurz
In Obritz profitieren die beiden bereits vom großen Netzwerk an UrproduzentInnen. Im Sommer wird ordentlich eingekocht, eingemacht, eingefroren; sie fahren von Bauer zu Bäurin und helfen bei Bedarf bei der Ernte. „Oft kommen die Nachbarn zu uns und bieten uns ihre Kirschen vom Baum an – da ist meine Sammelleidenschaft schnell geweckt und ich bin schon wieder mit der Leiter unterwegs“, lacht Walter Tanzer. „Es geht auch um die Purheit. Wir verwenden ausschließlich frische Zutaten“, sagt Hanna Ofner. So landen in den 75 Gramm ihrer Bio-Suppenwürze um 6,70€ rund 60% Gemüse und 40% Kräuter. Die industriell hergestellte Vergleichsprobe, die Walter Tanzer aus der Küche geholt hatte, kostet 1,80€ und beinhaltet 18 Gramm gefriergetrocknetes Gemüse. „Da sind aber nur Lauch, Zwiebel, Karotten und Petersilie drin“, meint er. Sie selbst verarbeiten auch Pastinaken, Liebstöckel und saisonales Gemüse, das sich in der Umgebung gerade auftreiben lässt. „Das wollen wir auch kommunizieren: Schaut’s aufs Etikett, lest’s euch das durch, was im Lebensmittel drin ist“, sagt Hanna Ofner abschließend.

♡ Ab zum Marktstandl von Gutes aus Obritz!

Text: Lena Zottmann

Photos: Anna Zora

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